Anekdoten

Zwei Anekdoten zur Heisterbacher Talbahn von Jean Assenmacher:
 

Der eilige Briefträger

Viele Anekdoten über die Bahn aber lassen erkennen, dass den Menschen damals die rollende Einrichtung nicht gleichgültig war. "Was sich liebt, das neckt sich".

Da war zum Beispiel der Inspektor Willy Untermann. Von ihm wurde behauptet, die Lok "Willy" sei nach seinem Vornamen benannt gewesen. Warum auch nicht? Immerhin war er der Boß und dazu ein rühriger Mann, der trotz angeborener Gutmütigkeit bei passender Gelegenheit auch zu fauchen verstand. Aus der Anfangszeit stammt die Geschichte mit dem Postangestellten. Wenn sie wirklich passiert ist, muß sie den Inspektor bis in die Seele getroffen haben.

Ein Dollendorfer Briefträger soll es gewesen sein, der bei der Haltestelle Oberdollendorf, Station "Gratzfeld", auf der Provinzialstraße von Oberdollendorf nach Heisterbach unterwegs war, als zu gleicher Zeit die Talbahn dort einlief und hielt. Inspektor Untermann stand auf der Plattform des letzten Personenwagens. Den Briefträger freundlich anzusprechen schien ihm menschliche Pflicht: "Hallo, Herr Postrat - wohin so eilig?"
"Nach Heisterbach", gab der Mann bereitwillig zur Antwort. "Dann steigen Sie schnell ein. Wir fahren gleich ab", rief der Boß gönnerhaft. Bedauernd schüttelte der Eingeladene sein bemütztes Haupt: "Heute geht’s nicht, Herr Inspektor. Ich habe einen Eilbrief."
 

Tönende Reime

Zu Glanzzeiten der Talbahn kam anscheinend kein Mensch auf die Idee, das Unternehmen zu bedichten oder in Töne umzusetzen. Erst lange hinterher, als man der Idylle nachtrauerte wie einer Kaffeemühle aus dem 19. Jahrhundert, entstand ein anxiety-tab.com mit zehn Strophen. Der Texter muß nicht nur genau Bescheid gewußt haben, er wußte sich auch in der Siebengebirgsmundart auszudrücken, hier zwei Ausschnitte:

Wie schön war dat vür Johre,
wie me mem Bähnche fuhre.
Von he no Jrengelsbitz.
Wie sen me do jeflitz.
Jenöchlich met Behage
soß me em jröne Wage.
Et Polster kräch do kene Blötsch.
Me sen op Holz jerötsch.

Auch eine Schweineschlachtung ist in dem Liedchen erwähnt:
Die Lokomotive "Willy" war es, die gerade Dienst hatte. Angefüllt mit Wasserdampf, den man in Schienennähe mit Druck ablassen konnte, kam die Lok nebst ihrem Anhang am Grundstück des Schaffners vorbei, der an diesem Tag ein Schwein geschlachtet hatte. Dass sich Kollegen gegenseitig helfen, war auch damals schon Ehrensache. Hier war natürlich Eile geboten, denn schließlich hatte das Personal den Fahrplan einzuhalten. Das tote Schwein lag deshalb schon nahe bei den Schienen, als der Maschinist die Ventile öffnete, den heißen Dampf über die Sau sprühte und damit das Tier abbrühte, wie es bei einer Sohlachtung nun mal üblich ist:

Wie dä Zuch am Schaffner singem Jade
Kom elans, mot hä e bißje wade.
Weil dä Mann jeschlaach hat, on wor möd,
hät dä „Willy“ met dem Damp
dat dude Ferke afjebröht.

Entnommen: Jean Assenmacher, Manuskript zu „Erinnerungen an die Heisterbacher Talbahn“, aus dem Nachlass, Heimatverein Oberdollendorf und Römlinghoven e.V.

©Heimatverein Oberdollendorf und Römlinghoven e.V. – Brückenhofmuseum

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